9. April 2019
Das Abschieds-Derby

Wohlen wird der Favoritenrolle gerecht. Mutschellen muss weiter um den Klassenerhalt zittern. Für mehrere Akteure war es das letzte Derby.

Josip Lasic, Sportredaktor Wohler Anzeiger/Bremgarter Bezirksanzeiger

Das Spiel ist vorbei. Die Spieler haben geduscht und sich umgezogen. Mutschellen-Goalie Ricardo Barbian verlässt die Garderobe. Im Gang sieht er Wohlens Christoph Schraner. Die beiden winken sich kurz zum Abschied. Ein Gruss mit Symbolcharakter. Barbian und Schraner werden sich nie mehr in einem Derby als Gegner gegenüberstehen. Der Mutscheller wandert nach Brasilien aus. Der Wohler beendet seine Karriere.

Das Derby stand im Zeichen des Abschieds. Bei Mutschellen wird neben Barbian auch Daniel Bossard nächste Saison nicht mehr dabei sein. Bei Wohlen war es auch das letzte Derby für Robert Konecnik. War das Spiel auch ein Abschied vom HC Mutschellen aus der 1. Liga? Nach der Niederlage fallen die Gastgeber drei Spieltage vor Schluss auf den letzten Platz. Besonders für Barbian und seinen Goalie-Kollegen Alex Wagner im Mutscheller Tor ist die Partie bitter.

Goalies als Goalgetter

Mutschellen beginnt stark, geht mit 2:0 in Führung – und verliert dann den Faden. Wohlen kann davonziehen. Nach 25 Minuten führen die Gäste mit sieben Toren Differenz. Bereits zur Halbzeit scheint die Partie entschieden. Barbian ist bei seiner Auswechslung in der 1. Halbzeit sauer. Ebenso Wagner zum Ende der Halbzeit. Barbian: «Ich werde nicht gern ausgewechselt. Besonders nicht gegen Wohlen.» Wagner: «Ich war wütend, weil wir so viele Tore kassiert haben.» Dabei hat das Duo alles gegeben, um sein Team im Spiel zu halten. Die Goalies werden sogar zu Torschützen. Greift Wohlen in Unterzahl an, ersetzen sie den Goalie durch einen zusätzlichen Feldspieler. Zweimal wirft Barbian über das ganze Feld ins leere Wohler Tor, einmal Wagner. «Die Tore waren schön», sagt Barbian lachend. «Meine Leistung hätte aber besser sein können.» Auch bei der Auswechslung in der 2. Halbzeit ist Barbian sauer. Er tritt eine Trinkflasche weg. «Das sind Emotionen während des Spiels», so der baldige Auswanderer. «Das letzte Derby gegen Wohlen hätte ich gern gewonnen.»

«Habe zu lang diskutiert»

Der 19-jährige Wagner: «Als Torwart ist es nicht so leicht. Du versuchst alles, um der Mannschaft zu helfen. Offensiv können wir aber nicht viel ausrichten.» Obwohl Wagner in der Endphase noch zwei Penaltys von Wohlens Goalgetter Adrian Studerus hält, kommen die Mutscheller nie näher als auf zwei Tore an die Gäste heran. Am Ende erhält der jüngere der beiden Goalies eine Zwei-Minuten-Strafe. «Ich habe zu lang mit dem Schiedsrichter diskutiert», so Wagner. Der Frust war gross bei den Mutscheller Goalies. Ebenso beim Rest der Mannschaft. Nach 56 Minuten war der Sieben-Tore-Vorsprung der Wohler auf zwei Treffer geschrumpft. Mutschellen kann die Chance heranzukommen nicht nutzen. Grosses Lob an die beiden Mutscheller Schlussmänner gibt es von Wohlen-Trainer Daniel Lehmann. «Sie haben eine starke Leistung gezeigt. Dadurch wurde es eng.» Sein Team hat die Partie dominiert. Dennoch gab es Schwächephasen bei Wohlen, die Mutschellen ermöglichten, näher ranzukommen. «Ich habe gemischte Gefühle», so Lehmann. «Einerseits nervt es mich, dass wir phasenweise sehr einfache Gegentreffer zugelassen haben. Andererseits hat die Mannschaft unsere Spielidee gut umgesetzt.» Wohlens Defensive überzeugt durch ihre Härte. Im Angriff sticht Adrian Studerus mit elf Treffern heraus. Die Gäste können feiern, obwohl sie «nur» mit drei Toren Differenz gewonnen haben.

«Wohlen ist individuell stärker»

Auch Mutschellen-Trainer Stefan Konkol hat zwei Seiten seiner Mannschaft gesehen. «Es ist positiv, dass die Mannschaft dran glaubt und bis zum Schluss kämpft.» Konkol sieht die Probleme in seinem Team. «Uns fehlt die Breite. Individuell ist Wohlen stärker. Wir kompensieren viel mit mannschaftlicher Geschlossenheit. Wenn wir Ausfälle haben, wird es problematisch.»

Mit Pilatus, Visp und Bern II hat Mutschellen drei Spiele vor sich, gegen Gegner, die ebenfalls Strichkampf sind. «Wir sollten die Spiele nach Möglichkeit gewinnen», so Barbian. Der Goalie will sich mit dem Klassenerhalt vom HC Mutschellen verabschieden. Der 31-Jährige zieht zu seiner Familie nach Brasilien. Handball wird er in Südamerika nicht spielen. «Ich wage den Schritt ins Ausland. Wenn ich es jetzt nicht mache, bereue ich es eines Tages.» Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen. Wagner: «Er ist ein genialer Goaliepartner und ein Teil der Seele der Mannschaft. Er wird fehlen.»


Abstieg kein Weltuntergang

Pläne der Mutscheller und Wohler für die nächste Saison

Wohlen hat den Klassenerhalt gesichert. In den letzten beiden Spielen gegen Horgen/Wädenswil und Pilatus will Wohlen-Trainer Daniel Lehmann die jungen Spieler zum Zug kommen lassen. «Es ist ein Dankeschön an sie, dass sie fleissig mittrainiert und sich geduldig auf die Bank gesetzt haben», sagt Lehmann. Die jungen Spieler müssen nun dringend an die Mannschaft herangeführt werden.

Ein Defensivspezialist weniger

Christoph Schraner und Robert Konecnik beenden ihre Karriere zum Saisonende. In der Partie gegen Mutschellen haben sie gezeigt, dass sie nach wie vor wichtig für die Mannschaft sind. Sechs Tore von Konecnik, fünf Treffer von Schraner und eine sehr gute Defensivleistung von beiden. «Ja, sie sind nach wie vor enorm wichtig», sagt Lehmann. «Wir müssen diese Abgänge als Mannschaft auffangen. Und die jungen Spieler müssen wieder ein Stück mehr Verantwortung übernehmen.» Die Saison 2016/17 war die beste in der Vereinsgeschichte von Handball Wohlen.

Die Wohler schrammten knapp an den Aufstiegsspielen zur Nationalliga B vorbei. Danach verliessen zahlreiche Leistungsträger den Verein. Lief es danach bei Wohlen nicht, wurde das meistens auf Ausfälle der verbliebenen Leistungsträger zurückgeführt. Nachdem 2017 mit Daniel Eberli ein Defensivspezialist der Wohler seine Karriere beendete, wiederholt sich die Geschichte jetzt mit Schraner. «In der Abwehr braucht es Erfahrung. Es wird eine Herausforderung, die Defensive zu stabilisieren.»

Abstieg soll vermieden werden

Wie die Zukunft bei Mutschellen aussieht, hängt davon ab, ob der Ligaerhalt geschafft wird. Die Mutscheller haben den langfristigen Plan, bis 2021 in der Nationalliga B zu spielen. Ein Abstieg in die 2. Liga wäre ein Rückschlag. «Bei uns arbeiten keine Dilettanten», so Trainer Stefan Konkol. «Wir haben für jedes Szenario einen Plan. Ein Abstieg wäre kein Weltuntergang. Aus der aktuellen Saison haben wir schon ein Fazit ziehen können und viele Erkenntnisse gewonnen.» Der Trainer fügt an: «Dennoch wollen wir den Abstieg um jeden Preis vermeiden. Es wäre ein Misserfolg, wenn uns das nicht gelingt.»

Klar ist, dass auch Mutschellen Leistungsträger verlieren wird. Wie sich die Lage bei den Mutschellern gestaltet, wird von den restlichen Spielen abhängen. «Alex Wagner wäre beispielsweise ein guter Nachfolger für Ricardo Barbian. Es ist aber unklar, ob er bei uns bleibt. Es wird eine Rolle spielen, in welcher Liga wir in der kommenden Saison vertreten sind.»

Bild: Daniel Küttel




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