5. April 2019
Überlebens-Derby

Wohlen hat nach starken Spielen den Ligaerhalt geschafft. Mutschellen hingegen hat Abstiegssorgen, doch weiterhin das Ziel, bis 2021 in der NLB zu spielen. Im Derby geht es für die Burkertsmatt-Jungs allerdings ums Überleben. Für zwei Mutscheller wird es das letzte Derby sein.

Stefan Sprenger, Sportredaktor Wohler Anzeiger/Bremgarter Bezirksanzeiger

Herbst 2017. Obwohl der HC Mutschellen beinahe in die 3. Liga abgestiegen wäre, heisst es in einer Medienmitteilung des Vereins: «Mit der ersten Mannschaft möchten wir nächste Saison in die 1. Liga aufsteigen und bis 2021 das Ziel Nationalliga B ins Auge fassen.» Heute – im Frühling 2019 – weiss man: Die Mutscheller sind in die 1. Liga aufgestiegen. Doch nach zuletzt drei Pleiten in Serie in der Abstiegsrunde ist man in akuter Abstiegsgefahr. «Wir sind natürlich nicht erfreut über die aktuelle Tabellensituation. Aber wir halten an unserer 5-Jahres-Planung fest und sind uns absolut bewusst, dass es ein Auf und Ab geben wird», sagt Pitsch Müller, Präsident des HC Mutschellen.

Dem Verein geht es prima, nur das «Eis» macht Sorgen

Es gehe aber nicht nur um die NLB, betont Müller. Man sei in diversen Bereichen auf sehr gutem Weg, «wie zum Beispiel in der Juniorenbewegung, dort konnte extrem viel bewegt werden», so Müller. Beim Projekt «Handball macht Schule» gibt es über 30 Lektionen in acht verschiedenen Schulen der Region und dadurch 30 neue Handballkids im Verein. Dazu gab es einen neuen Teilnehmerrekord am Schülerhandball-Turnier (300 Jugendliche waren dabei). Auch die weibliche Abteilung wächst – total hat der HC Mutschellen nun sieben Frauen- und Mädchenteams. Und der Verein plant – nach dem Erfolg im 2018 – erneut ein Handballcamp.

Klingt alles positiv. Allerdings ist beim Aushängeschild der Wurm drin. Die erste Mannschaft erlebt nach ansprechender Qualifikationsphase eine enorm holprige Abstiegsrunde. Zwei Siege, zwei Unentschieden, sechs Pleiten. Der direkte Ligaerhalt ist kaum mehr erreichbar. Die Mutscheller stehen zwei Punkte hinter den Barrageplätzen. Vier Saisonspiele bleiben, um möglichst viele Punkte zu ergattern – sonst droht der direkte Abstieg nach nur einem Jahr in der 1. Liga. «Wir gehören in diese Liga. Wir glauben alle an den Ligaerhalt und arbeiten sehr hart dafür. Wir geben nicht auf, niemals», sagt Pascal Baur, Kreisläufer und Identifikationsfigur der Mutscheller. Von einer Misere der Mannschaft will er nicht sprechen. «Es fehlt nur wenig. Glück im Abschluss, der letzte Pass, der ankommt, dann würde es reichen und wir können mit jedem Team mithalten.» Helfen tut dies wenig. Die Abstiegsgefahr bleibt akut.

Ricardo Barbian geht nach Brasilien

Das Freiämter Derby zu Hause in der Burkertsmatt wird zum Überlebenskampf für Mutschellen. Die Wohler hingegen haben seit dem vergangenen Wochenende den Ligaerhalt definitiv in der Tasche. In den verbleibenden Spielen «werden vermehrt die jungen Spieler zum Zug kommen», sagte Trainer Daniel Lehmann. Gibt es also zahme Wohler Handballer am Samstag in der Burkerstsmatt zu sehen? «Auch wenn es sehr schade wäre, wenn Mutschellen absteigt. Und auch wenn die Derbys fehlen würden, aber wir werden Mutschellen nicht einfach gewinnen lassen, schliesslich ist ein Derby eben ein Derby», sagt Handball-Wohlen-Präsident Martin Laubacher. Die «Ballermatten-Jungs» haben das Hinspiel noch in bester Erinnerung. 31:28 siegte Mutschellen in der Hofmatten. Das passte den Wohlern so gar nicht – sie wollen sich revanchieren im letzten Freiämter Derby der Saison.

Für einen Mutscheller Leistungsträger wird es das letzte Derby sein: Torhüter Ricardo «Rippe» Barbian verlässt den HC Mutschellen. Er geht zurück nach Brasilien. Seine Mutter ging vor wenigen Jahren zurück nach Südamerika, seither hat er keine Familienangehörige mehr in der Schweiz. Barbian möchte im Familienbetrieb des Vaters Fuss fassen und in Brasilien leben. Falls dies nicht klappt, ist eine Rückkehr in die Schweiz nicht ausgeschlossen. Auch Flügelspieler Daniel Bossard ist nächste Saison nicht mehr dabei. Aus beruflichen Gründen, denn der Mediziner beginnt eine neue Stelle im Universitätsspital Zürich.

Sascha Rudi braucht eine Auszeit

Während die Mutscheller einen neuen Goalie brauchen, dürfen die Wohler definitiv vermelden, dass Goalie Sascha Rudi eine weitere Saison bleibt. Der Elektromonteur habe sich lange Zeit Gedanken über seine Zukunft gemacht und sich nun entschieden: «Ich habe nach dieser guten Abstiegsrunde unserer Mannschaft wieder Lust. Ich mache noch eine Saison bei Handball Wohlen – und schaue dann von Spielzeit zu Spielzeit», so der 28-Jährige. Rudi ergänzt: «Ich werde nach dem Derby nicht mehr im Tor stehen für die letzten zwei Saisonspiele. Ich brauche eine Auszeit, um die Batterien neu zu laden.» Die Wohler werden dem extrovertierten Goalie diese Pause gerne gönnen, schliesslich sicherte «The Craken» mit seinen starken Leistungen einige Punkte für die Wohler in dieser Abstiegsrunde.

Vielleicht wird es beim letzten Freiämter Derby dieser Saison auch ein Goalie-Duell. Denn neben Sascha Rudi ist auch Ricardo Barbian in der Lage, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden. Während die Wohler jedenfalls locker an die Sache rangehen können, sind die Mutscheller Handballer unter gewaltigem Zugzwang. Übrigens: Der letzte Sieg der Mutscheller Handballer datiert vom 9. Februar, als sie Wohlen geschlagen haben.





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